Alte Ansichten

Hier finden Sie einige ältere Aufnahmen der Wessiszeller Kirche:

Außenansicht von Norden um 1900
Altarbereich um 1900
Altarbereich um 1909

Die Betrachtung des Bildes ist äußerst aufschlussreich:

  • Neu gegenüber 1909 ist: der linke Seitenaltar ist mindestens stark überarbeitet (völlig andere Form); die Figuren an der Kanzel (von den drei sichtbaren, ist heute nur mehr die Maria vorhanden; 1900 steht diese Figur am rechten Altar); die Engel auf den Seitenaltären; die Herz-Jesu-Figur am rechten Seitenaltar; im Auszug des linken Seitenaltars ist jetzt das Auge der Vorstehung (statt der Schar der Erlösten); im Auszug desrechten Seitenaltars ist jetzt die Schar der Erlösten (zuvor die Hl.-Geist-Taube in plastischer Darstellung)
  • An der Decke ist ein Spruchband mit einer deutschen Übersetzung des Hymnus zum Fest der Unschuldigen Kinder. Im folgenden Text ist der sichtbare Teil fett markiert:

    Heil euch, der Zeugen Jesu Blüten! / Euch raubt des Lebens Morgenlicht / Der Feind des Herrn, wie Sturmeswüten / Die kaum entsproßte Rose bricht.

    Die ihr zuerst für Christum fielet / Der Hingewürgten zarte Schar; / Wie ihr so kindlich froh jetzt spielet / Mit Palm’ und Kronen am Altar!

    Dir, Jesu, bringen wir mit Freuden, / Dir, den die Jungfrau uns gebar, / Dir, Vater, und Dir, Geist von beiden, / Den wärmsten Dank des Herzens dar. Amen.
Altarbereich 2008 vor der Renovierung

Epitaph für Pfarrer Simon Fischer

Wiedergabe des lateinischen Textes

Sta Viator, mirare! imitare!
Hić iacet,
A[dmodum] R[everendus] et D[ignissimus]
D[ominus] SIMON FISCHER, Venerab[ilis] Capit[uli] Fridberg.
Senior, & I. Assiſtens; in Ederied IV. hić in Weſsiszell LII.
Annos bis lubilæus Sacerdos et Parochius digniſsimus
VIR
Doctrina, Pietate, Vigilantia, Sobrietate, Caſtitate,
Humilitate, Manſuetudine, Candore Mentis,
omnique Virtutum genere Clariſſimus.
Eccleſiæ Parochiali à se ampliatæ dedit cum ornamentis
Altare SS: Angelorum.
Appoſuit Turrim cum Horologio,
ut ex incerta hora Mortis, certam diſceret, et bene mori.
Filialem in Ziegelbach propriis funditùs erexit.
In datis, et in Tattenhausen tribus his in Templis
ut Trinum eſſet perfectum,
Uni, et Trino DEO
perpetuam ſuccendit lampadem,
ut Luce perpetua in perpetuum frui mereatur
Insignis plane Benefactor.
Multa ſanguine iunctis,
plura pauberibus, plurima Deo
elargitus est liberatiſsimus Pater.
Tandem
Animarum in huius Mundi Pelago Piſcator Zeloſiſſimus
ancoram Spei, Patientiæ, et Fortitudinis ponens,
Rete Meritis abundans retraxit
ætat: LXXXVI. die 22. Martii.
MDCCXLVIII.
Requieſcat in Pace.

Deutsche Übersetzung

 Bleib stehen, Wanderer, bewundere! Ahme nach!
Hier liegt,
der sehr hochwürdige und höchstverdiente
Herr Simon Fischer, des ehrwürdigen Kapitels von Friedberg,
Senior und erster Assistent, zweimaliger Priesterjubilar und würdigster Pfarrer,
vier Jahre in Ederied und zweiundfünfzig hier in Wessiszell.
Ein Mann
 von Gelehrsamkeit, Frömmigkeit, Wachsamkeit, Nüchternheit, Keuschheit,
Demut, Sanftmut, glänzendem Geist
und von aller Art von Tugend überaus strahlend.
Der von ihm erweiterten Pfarrkirche gab er einen verzierten
Altar der Heiligsten Engel.
Den Turm versah er mit einer Uhr,
damit man – weil die Todesstunde unsicher ist – die sichere Stunde erfahre und gut zu sterben lerne.
Ganz und gar mit seinem eigenen Vermögen baute er in Zieglbach die Filial[kirche] [wieder] auf.
An jenen Orten und in Tattenhausen, in diesen drei Kirchen,
damit die Dreizahl vollkommen sei,
entzündete er dem einen und dreifaltigen GOTT
eine Ewiglichtlaterne,
auf dass er verdiene, das Ewige Licht für immer zu genießen.
Als offenkundig ausgezeichneter Wohltäter
schenkte der gütigste Vater
viel von seinem [Herz-]Blut den Anvertrauten,
mehr den Armen, am meisten Gott.
Und am Ende
holte der sehr eifrige Seelen-Fischer im Meer dieser Welt,
der einen Anker der Hoffnung, Geduld und Stärke geworfen hatte,
 ein von Verdiensten übervolles Netz ein,
im Alter von 86 Jahren, am 22. März
1748.
Er ruhe in Frieden!

Übers. v. Florian Kolbinger 2021 auf Grundlage einer Übersetzung Ludwig Waldmüllers 2012.

Florian Kolbinger, 17.6.2021

Pfarrkirche St. Martin (2)

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Der Orgelprospekt und die Fresken an der Empore
Der Orgelprospekt stammt aus dem Jahr 1757 (laut dem Chronogramm). Die Fresken an den Emporenbrüstungen zeigen oben die Evangelisten Johannes und Matthäus (links) und Lukas und Markus (rechts). An der unteren Empore ist in der Mitte Christus als Erlöser der Welt (Christus Salvator) dargestellt. Flankiert wird er vom Verrat des Apostels Petrus (linke Seite) und von der Bekehrung des Apostels Paulus (rechte Seite). Die Fresken stammen auch von Joseph Mages, 1938/9 wurden sie bei der Verlängerung der Kirche vorsichtig mitversetzt.

Orgelprospekt
Christus Salvator (Mitte der unteren Empore)
Der Verrat des Petrus (untere Empore links)
Die Berufung des Paulus (untere Empore rechts)
Die Evangelisten Johannes und Matthäus (obere Empore links)
Die Evangelisten Lukas und Markus (obere Empore rechts)

Die Kanzel
Sie wurde 1767 von Franz de Paula Arnoldt geschaffen.


Die Pietà
Die Darstellung der schmerzhaften Muttergottes (Pietà) ist am Sockel auf das Jahr 1744 datiert. Die darumherum angeordneten sieben Embleme zeigen die „Sieben Schmerzen Mariens“ (vgl. dazu z. B. in kathpedia hier).


Figuren im Kirchenschiff
Die Figuren des hl. Ulrich und des hl. Florian werden um 1750/60 datiert.


Die Kreuzwegstationen
Die 15. Kreuzwegstation (Kaiserin Helena findet das Kreuz Jesu wieder) befindet sich nicht in der Kirche, sondern wird in der Sakristei aufbewahrt.


Die Fresken in der Sakristei
Im unteren Raum wird eine „Wessobrunner Madonna“ dargestellt (Restaurierung durch Karl Weiß um 1900), im oberen die Schlüsselübergabe an Petrus, sie wurde vielleicht von dem Friedberger Maler Sigismund Reis (vor 1750 bis 1779) geschaffen.

Wessobrunner Madonna

Das Gnadenbild in Wessobrunn (um 1700) ehrt Maria als „Mutter der schönen Liebe” (vgl. Sir 24,18) und zeigt sie mit einem Blütenkranz auf ihrem Haupt. Schon in Wessobrunn war die Verehrung auch verbunden mit der der Maria Immaculata, der unbefleckt empfangenen Muttergottes. Das Dasinger Bild enthält beides: Die Figur Marias ist an jener „Wessobrunner Madonna“ orientiert, die man in Salzburg in der Kollegienkirche am Altar des hl. Ivo findet. Dieses Bild wurde im süddeutschen Raum häufig kopiert. Beigegeben sind der Figur die Mondsichel, die Schlange und die Weltkugel, wie man sie auf Darstellungen der Maria Immaculata findet. Die Lilie und die Rose weisen als Attribute auf die Reinheit und Keuschheit bzw. die Sittsamkeit und Ehrbarkeit Mariens hin. In diesen Zusammenhang wird man auch die Umschrift des Bildes stellen. Sie lautet: Aspiciendo cave, ingrediendo cave, praetereundo cave, ne sileatur Ave!, das heißt: „Beim Anblicken sieh zu, beim Hinzutreten sieh zu, bei Vorbeigehen sieh zu, dass das Ave nicht verstummt!“ Es ist ein Aufruf zum beständigen Beten des „Gegrüßet seist du Maria”, insbesondere vor einem Marienbild. Der Text findet sich in ähnlichen Formen bei vielen Darstellungen der Maria Immaculata.

Schlüsselübergabe an Petrus

Literatur
Paula, Georg / Bollacher, Christian: Landkreis Aichach-Friedberg. Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Denkmäler. München: Lipp 2012.

Bushart, Bruno / Paula, Georg: Bayern III Schwaben. (= Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler) 2., überarb. Aufl., München: Deutscher Kunstverlag 2008.

von Bezold, Gustav / Riehl, Berthold: Die Kunstdenkmale des Regierungsbezirkes Oberbayern. I. Theil: Stadt u. Bezirksamt Ingolstadt, Bezirksämter Pfaffenhofen, Schrobenhausen, Aichach, Friedberg, Dachau. München, Wien: Oldenbourg 1982 (ND der Ausg. München 1895).

Dreyer, Angelika: Die Fresken von Joseph Mages (1728–1769). Zwischen barocker Frömmigkeit und katholischer Aufklärung. Regensburg: Schnell & Steiner 2017

Florian Kolbinger, 2.9.2019

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Kal23

Rezept für knusprige Weihnachtstüren

Zutaten

200g Zartbitterschokolade, 100g Mandelsplitter, 100g Cornflakes

Und so wird’s gemacht

Die Kuvertüre im Wasserbad schmelzen lassen. Mandelsplitter und Cornflakes in die geschmolzene Schokoladenmasse geben und verrühren. Mit Hilfe von zwei Teelöffeln aus der Masse kleine Kuchen in Türenform (siehe Abbildung) herstellen und auf Backpapier oder einen flachen Teller legen. Für die Türklinke ein paar extra klein gestampfte Cornflakes oder fein gemahlene Mandeln nehmen und auf die noch nicht getrocknete Masse streuen. Das Ganze etwa zwei Stunden trocknen lassen. Als Verzierung können auch Puderzucker oder Kokosflocken darüber gestreut werden.

Kal22

Geschichte

Es war einmal ein Fischer, der fuhr jede Nacht aufs Meer hinaus, um seine Netze auszulegen. Früh am Morgen kehrte er zurück, dann waren seine Netze voll mit Fischen: Denn er kannte die Wege, die die großen Fischschwärme nahmen. Selbst in der tiefsten Nacht fand er seinen Weg. Er sah hinauf zu den Sternen, die über ihm am Himmel standen, und ließ sich von ihnen den Weg zeigen. Aber einmal kam eine Zeit, da war der Himmel von Wolken verhangen. Dicker Nebel lag über dem Meer, sodass man kaum die Hand vor den Augen sehen konnte. Weder Sonne noch Mond und Sterne ließen sich blicken. Das war eine schlimme Zeit. Denn da konnte der Fischer nicht hinausfahren. Und wenn er keinen Fisch fing, verdiente er nichts. Wovon sollte er dann leben? Tag für Tag saß der Fischer in seiner Hütte am Fenster und sah hinaus auf das graue Meer und hoffte, dass sich der Nebel verziehen würde. Aber der Nebel blieb. „Wenn ich wenigstens einen einzigen Stern sehen könnte”, dachte der Fischer. „Damit ich den Weg übers Meer finde.” Aber kein einziger Stern schaffte es, den dichten Nebel zu durchdringen. Da fasste der Fischer einen Entschluss. „Ich werde mir einen eigenen Stern machen”, dachte er. Er ging in den Schuppen und schnitzte sich aus einem alten Brett einen großen Stern. Den strich er mit leuchtend gelber Farbe an. Als die Farbe getrocknet war, hängte er ihn an eine Stange. Die Stange befestigte er vorn an seinem Boot. Als der Abend kam, ruderte der Fischer hinaus aufs Meer. Rings um ihn her war dichter Nebel. Aber vor ihm leuchtete sein Stern. Er brauchte nur hinter ihm her zu rudern. Und das tat er. Am Morgen bemerkten die anderen Fischer, dass sein Boot nicht am Platz lag. Sie warteten auf ihn. Aber er kam nicht zurück. Niemand hat ihn je wiedergesehen.

Quelle: Fuchshuber, Annegret: Ich habe einen Stern gesehen – Lahr: Kaufmann, 1999

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