Pfarrkirche St. Martin


Anschrift der Kirche

Kirchstr. 6
86453 Dasing

Öffnung
Die Kirche ist tagsüber geöffnet.

Geschichtliches
Ende des 7. Jahrhunderts besiedelten Alemannen das fruchtbare Land östlich des Lechs. Eine der Ansiedlungen wurde „Tegesinga“ nach ihrem Gründer Tegiso, das heutige Dasing, benannt. Heute wird angenommen, dass neben einem kleinen Weiler auch eine Kirche und ein Friedhof errichtet wurden. Die Kirche war damals schon dem Hl. Martin geweiht. Urkundlich wird die Pfarrkirche in Dasing 1352 erstmalig in den „Friedberger Heimatblättern“ erwähnt.
Das Patronat lag bei den Dasinger Hofmarksherren, bis es 1644 (mit dem Verkauf der Hofmark) an das Benediktinerkloster St. Ulrich und Afra in Augsburg überging. Im Zuge der Gegenreformation wurde 1678 eine (bis heute bestehende) Rosenkranzbruderschaft gegründet.

Baugeschichte
Der Turm und der Chorraum sind wohl um 1360 entstanden, wurden aber um 1515 noch einmal verändert. Das Langhaus datiert um 1690/95. 1738 wurde die Sakristei angebaut. Unter Pfarrer Stephan Holl wurde das zuvor gotische Kirschenschiff von 1753 bis 1756 umgebaut, der Innenraum wurde 1755/56 im Stil des Rokoko prachtvoll ausgestaltet. Die Fresken wurden von dem mit dem Reichsstift St. Ulrich und Afra eng verbundenen Maler Joseph Mages (1728–1769) geschaffen. Der Stuck wird Franz Xaver Schmuzer (1713–1775) aus der Wessobrunner Schule zugeschrieben. Die farbige Fassung stammt von Joseph Westenrieder (Signatur am südlichen Chorpilaster).
Nach einer Restaurierung 1897 wurde 1938/9 unter Pfarrer Johann Spanier das Kirchenschiff erweitert: Der Gemeinderaum wurde um zwei Achsen verlängert, an die Stelle des Westportals mit Vorhalle traten zwei Zugänge im Norden und Süden. Die Arbeiten wurden von Joseph Heißerer (Friedberg) nach Plänen von Karl Ostertag ausgeführt. Weitere Renovierungen erfolgten 1966 (außen), 1970/1 (innen), 1987 (außen). 1974 wurde in der Langhauserweiterung von Manfred Leitenmeier ein Deckenbild („Maria erscheint einem Sterbenden“) ergänzt.

Der Ende des 17. Jahrhunderts von Michael Wening erstellte Stich (hier) und frühe Fotografien zeigen die Kirche vor der Erweiterung des Langhauses.

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Historische Aufnahme der Dasinger Pfarrkirche

Der Innenraum der Kirche
Das Langhaus ist ein durch zweimal fünf Doppelpilaster gegliederter Saal, der von einer flachen Stichkappentonne überwölbt ist. Angefügt ist ein eingezogener um zwei Achsen verlängerter und dann dreiseitig geschlossener Chor. Die thematische Gestaltung des Gemeinderaums wird von der Rosenkranz-Thematik bestimmt, Chorraum und Hauptaltar nehmen auf das Leben und Sterben des hl. Martin Bezug.
Der rechte Seitenaltar ist ein Marienaltar. Um das Altarblatt sind 15 Bildmedaillons mit den Geheimnissen des freudenreichen, des schmerzhaften und glorreichen Rosenkranzes angeordnet. Der linke Seitenaltar ist den 14 Nothelfern geweiht.
Die Kanzel von 1767 schmückt neben anderen Skulpturen die Nordseite des Kirchenschiffes. Gegenüber, auf der Südseite sticht das große Kreuz mit Darstellung der Pietà (datiert 1744) hervor. Eine Doppelempore bildet den Abschluss der Kirche nach Westen hin. Auf der oberen Empore befindet sich die Orgel.
Die Kirche ist St. Martin (11. November), Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz (7. Oktober) und den 14 Nothelfern (Samstag der vierten Osterwoche im Erzbistum Bamberg) geweiht.


Chorraum und Hochaltar
Die Altäre datieren aus dem Jahr 1755/56, 1767 wurde der Hochaltar von Franz de Paula Arnoldt noch einmal überarbeitet. 1939 wurde das Hochaltarbild mit der Mantelteilung des hl. Martin ersetzt. Die jetztige Darstellung Martins als Bischof von Tours befand sich ursprünglich auf dem Kanzeldeckel. Die beiden Begleitfiguren sind der Hl. Dominikus und die Hl. Katharina von Siena. Der Tabernakel ist ein Ankauf aus dem Jahr 1937.


Die Fresken im Chorraum
Sie stammen ebenfalls von Joseph Mages und beziehen sich auf den Hl. Martin als Kirchenpatron. Im Vergleich zum Gemeinderaum ist das Bildprogramm des Chores – vor allem im Blick auf die emblematischen Darstellungen – weniger bildhaft, weniger plakativ und intellektuell anspruchsvoller: neben den beiden Emblemen, die Martin und die „theologischen“ Tugenden (Glaube, Hoffnung und Liebe) darstellen findet man drei je farblich einander zugeordnete Emblempaare, die im Bild des Wassers das Wirken der himmlischen Gnade, im Bild des Lichtes (Sonne) die Überwindung des irdischen Leides und im Bild der Kraft des Lebendigen (Adler, Löwe) den Untergang des Bösen und des Todes versinnbilden. Die Fresken an den Chor-Emporen zeigen das Wunder einer Totenerweckung durch den hl. Martin (Südseite) und das Sterben des Bischofs (Nordseite), an der Decke ist wird die himmlische Glorie Martins dargestellt – gegründet ist sie auf seine zu Lebzeiten zur Ehre Gottes vollbrachten Wundertaten.


Marien-Altar (rechter Seitenaltar)
Das Altarblatt zeigt die Rosenkranzspende an den hl. Dominikus und die hl. Katharina von Siena.


Umgeben ist das Altarblatt von dreimal fünf Kartuschen, die die Geheimnisse des freudenreichen (links), des glorreichen (oben) und des schmerzhaften (rechts) Rosenkranzes abbilden.

Die Geheimnisse des freudenreichen Rosenkranzes


Die Geheimnisse des glorreichen Rosenkranzes


Die Geheimnisse des schmerzhaften Rosenkranzes


14-Nothelfer-Altar (linker Seitenaltar)


Die Fresken von Joseph Mages im Kirchenschiff
Das zentrale Deckenfresko bildet eine kompositorische Einheit mit den vier umgebenden Kartuschen in den Gewölbeansätzen. Es ist am unteren Rand auf das Jahr 1756 datiert (wie die Weiheinschrift auch). Inhaltlich nimmt es auf die örtliche Rosenkranzbruderschaft Bezug und zeigt Maria als Königin des Rosenkranzes. Die thronende Gottesmutter überreicht dem hl. Dominikus den Rosenkranz. Der Legende nach war er ihm ein großes Hilfsmittel bei Bekehrung der Albigenser. Domikus verweist weiter auf die christliche Flotte bei der Seeschlacht von Lepanto (am 7. Oktober 1571). Das von Papst Pius V. in Rom abgehaltene Rosenkranzgebet soll den Sieg maßgeblich miterrungen haben. Unterhalb Mariens ist ein Engel zu sehen, der ihr die für sie brennenden Herzen darbringt (als eine Ermunterung an den Betrachter, sich durch das Rosenkranzgebet in Liebe mit der Gottesmutter zu verbinden). Rechts daneben findet man die hl. Katharina (die zweite große Heilige des Rosenkranzes) und den Erzengel Michael, der im Auftrag Mariens gebündelten Blitze auf ein Ziel außerhalb des Hauptfreskos schleudert. In den beiden angrenzenden Kartuschen tauchen die Blitze wieder auf. Dargestellt wird da zum einen die Überwindung der Laster (beispielhaft werden Falschheit und Unkeuschheit in personifizierter Form dargestellt) zum anderen der Fall der Häretiker (für die beispielhaft der Osmane, der Protestant und der – im letzten Moment gerettete – Jude stehen). Der siegreiche David und die siegreiche Judith als Inbegriff der Tapferkeit und der Tugend werden diesen Bildern als positive Beispiele gegenübergestellt.
Die am unteren Bildrand dargestellte Szene weist daraufhin, wie sich das Lob Mariens weist über die ganze Welt verbreitet: Personifikationen der vier Erdteile (für Europa steht die Gestalt Maria Theresias) sind um eine Erdkugel versammelt. Auf dieser steht das Wort Mariens aus dem Magnifikat „Alle Geschlechter werden mich selig preisen“ (Lk 1,48).

Das Hauptfresko


Begleitende Fresken und Stuckwerk


Der Orgelprospekt und die Fresken an der Empore
Der Orgelprospekt stammt aus dem Jahr 1757 (laut dem Chronogramm). Die Fresken an den Emporenbrüstungen zeigen oben die Evangelisten Johannes und Matthäus (links) und Lukas und Markus (rechts). An der unteren Empore ist in der Mitte Christus als Erlöser der Welt (Christus Salvator) dargestellt. Flankiert wird er vom Verrat des Apostels Petrus (linke Seite) und von der Bekehrung des Apostels Paulus (rechte Seite). Die Fresken stammen auch von Joseph Mages, 1938/9 wurden sie bei der Verlängerung der Kirche vorsichtig mitversetzt.











Die Kanzel
Sie wurde 1767 von Franz de Paula Arnoldt geschaffen.


Die Pietà
Die Darstellung der schmerzhaften Muttergottes (Pietà) ist am Sockel auf das Jahr 1744 datiert. Die darumherum angeordneten sieben Embleme zeigen die „Sieben Schmerzen Mariens“ (vgl. dazu z. B. in kathpedia hier).


Figuren im Kirchenschiff
Die Figuren des hl. Ulrich und des hl. Florian werden um 1750/60 datiert.

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Hl. Afra

Die Kreuzwegstationen

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1. Station: Jesus wird zum Tod verurteilt

Die Fresken in der Sakristei
Im unteren Raum wird die Wessobrunner Madonna dargestellt (Restaurierung durch Karl Weiß um 1900), im oberen die Schlüsselübergabe an Petrus, sie wurde vielleicht von dem Friedberger Maler Sigismund Reis (vor 1750 bis 1779) geschaffen.


Literatur
Paula, Georg / Bollacher, Christian: Landkreis Aichach-Friedberg. Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Denkmäler. München: Lipp 2012.

Bushart, Bruno / Paula, Georg: Bayern III Schwaben. (= Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler) 2., überarb. Aufl., München: Deutscher Kunstverlag 2008.

von Bezold, Gustav / Riehl, Berthold: Die Kunstdenkmale des Regierungsbezirkes Oberbayern. I. Theil: Stadt u. Bezirksamt Ingolstadt, Bezirksämter Pfaffenhofen, Schrobenhausen, Aichach, Friedberg, Dachau. München, Wien: Oldenbourg 1982 (ND der Ausg. München 1895).

Dreyer, Angelika: Die Fresken von Joseph Mages (1728–1769). Zwischen barocker Frömmigkeit und katholischer Aufklärung. Regensburg: Schnell & Steiner 2017

Florian Kolbinger, 2.9.2019